Der vegane Reiseblog

Tag 1 Quarantäne in Nanjing – „Und schon ist die Tür zu“

Tag 1 beginnt am Montag um 13:20. Das ist die Uhrzeit des Check-Ins bzw. die Uhrzeit, zu der ich nach einigen Minuten die Hotelzimmertür hinter mir schließe. Der Gedanke die Tür zu schließen ist zunächst etwas befremdlich. Ich zögere. Das Schließen der Tür würde das Ende meiner Freiheit, oder zumindest meiner Selbstbestimmtheit für die nächsten 14 Tage bedeuten. Auch wenn am anderen Ende nur der dunkle Korridor ist, zögere ich zunächst die Tür zu schließen, tue es dann aber doch nach wenigen Minuten.

Der erste Blick ins Zimmer ist erschreckend positiv und negativ zugleich. Die Einrichtung ist neu, alles scheint auf den ersten Blick sauber, das Bett groß, das Bad hell und modern zu sein. Andererseits nimmt das Bett bereits gefühlt 2/3 des Raumes ein, das Fenster ist klein und hinter einem Pfeiler versteckt UND: es lässt sich nur auf Kipp öffnen, und zwar ganze 2,5 cm, bis es von einer angebrachten Kette aufgehalten wird. Die Erinnerung daran, dass das Zimmer auf keinen Fall verlassen werden darf. Zudem befinde ich mich im Erdgeschoss mit Blick auf eine Mauer auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Aber gut, es hätte schlimmer kommen können. Aufgrund der angenehmen neuen Einrichtung des Zimmers fühle ich mich recht schnell wohl.

Das Hotelpersonal hatte folgendes im Zimmer bereitgestellt:

  • 24×0,5l Wasserflaschen
  • 4 Rollen Toilettenpapier
  • 2 Zahnbürsten und Zahncreme
  • Duschgel und Haarshampoo
  • Handseife
  • Hausschuhe
  • Müllbeutel
  • Handtücher
  • Kosmetiktücher
  • Einige Beutel Tee
  • Wasserkocher
  • Handtücher
  • 2 Tassen

 

Zudem wurde mir beim Check-In eine kleine Plastiktüte überreicht, die einen Zettel und ein kleines Thermometer enthielt. Auf dem Zettel ist ein QR Code zu erkennen, sowie relativ viel Text – auf chinesisch.

Glücklicherweise hatte sich mir bereits in der Check-In Schlange einer meiner Mit-Quarantänianer angenommen und versucht sprachliche Brücken zu bauen. Dies stellte sich im weiteren Verlauf des Tages als äußerst hilfreich heraus. Sein Insistieren in der WeChat Gruppe darüber, dass ich Vegetarier sei (ist in Asien fast gleichzustellen mit Vegan, der Begriff wird zudem eher verstanden als letzterer), sorgt dafür, dass ab diesem Tag fast alle meine gelieferten Mahlzeiten vegan/vegetarisch sind – vegetarisch, weil ab und zu Ei mit den Gemüsevariationen vermischt war. Er half mir also mich in den ersten Stunden – die ersten Minuten face-to-face, dann virtuell über WeChat – zurechtzufinden, die Info-Zettel zu verstehen und mein WLAN einzurichten. Für die Einrichtung des WLANs ist bereits eine chinesische Handynummer nötig. Der Nachbar hat hier einfach seine eigene genommen und mir die Codes zugeschickt, die per SMS gesendet werden. Ansonsten heißt es:

  • Keine Essens-Bestellungen außer „daily essentials“. Offene frische Speisen sind tabu, Milch, Cola, Ramen Instantnudeln, Ladekabel, Tee und Co ist erlaubt. Es wird sich später herausstellen, dass die Definition für „daily essentials“ sehr unterschiedlich interpretiert wird.
  • Essen wird morgens zwischen 7:30-8:30, mittags zwischen 11:30-12:30 und abends zwischen 17:30-18:30 geliefert. Es wird durch ein Klopfen an der Tür angekündigt und wird dann auf einem kleinen Hocker vor der Zimmertür abgestellt. Daraufhin soll einige Minuten gewartet werden und das Essen dann schnell aus dem Korridor ins Zimmer geholt werden.
  • Kein Verlassen des Zimmers.
  • Frühstück wird vom Hotel gestellt, Lunch und Dinner werden von einem externen Caterer bereitgestellt. Dieser ist separat zu bezahlen.
  • Das Zimmer kostet 4900 RMB, Lunch und Dinner schlagen zusätzlich mit 1160 RMB zu Buche. Diese Beträge seien binnen 3 Tagen per WeChat Pay oder Alipay zu entrichten (Nachtrag von Tag 5: ich habe keine der beiden Zahlungsmöglichkeiten und habe per WeChat mitgeteilt, dass ich am Ende per Kreditkarte zahle. Hier gab es bisher keine Einwände)

 

Also heißt es zunächst einmal Ankommen, Auspacken und alle möglichen organisatorischen Themen über WeChat klären. Natürlich auf Chinesisch – glücklicherweise mit der „Translate“ Funktion in WeChat.

Da ich mir vor der Abreise eine Subscription für den Astrill VPN zugelegt hatte, beginne ich mich nach einiger Zeit damit einzuloggen und die ersten Schwierigkeiten zu erkennen:

  • WeChat und Astrill vertragen sich nicht. WeChat scheint nur zu funktionieren, wenn der VPN ausgeschaltet ist (Nachtrag Tag 5: Mittlerweile geht es auch mit eingeschaltetem VPN, Internettelefonie funktioniert aber nicht gut. Dazu schalte ich den VPN meist aus)
  • Astrill ist nicht gleich Astrill. Es gibt unzählige Server, die gerade die unterschiedlichsten Verbindungs-Geschwindigkeiten liefern. Diese sind zudem nicht immer stabil, d.h. ein Server in Los Angeles mag morgens gut funktionieren, nachmittags nicht mehr. So muss man also einige Tipps und Tricks erlernen, um hier stets eine stabile Internetleitung zu bekommen. Der erste geplante Netflix-Abend fiel dadurch aus.

Der Rest des Tages besteht aus Telefonaten mit der Heimat und der Freundin und der ersten Eingewöhnung in die neuen vier Wände. Trotz der Müdigkeit nach der Anreise ist der Abend aufgrund des Jetlags recht lang. Ich kann schlecht einschlafen.