Du willst jetzt nach China?
Warum das denn?
Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist? Ich finde das ja zu gefährlich, das ist doch der Corona-Hotspot.
China ist seit August 2020 nach sechs Monaten nicht mehr als COVID-19-Risikogebiet klassifiziert.
China hat aktuell (11.10.2020) 230 aktive Corona-Fälle und am heutigen Tag 21 Neuinfektionen verzeichnet. Diese Zahlen sind bereits seit mehreren Monaten auf einem gleichbleibenden Niveau. Deutschland hat hingegen gerade heute 3.483 Neuinfektionen und 41.320 aktive Fälle zu verzeichnen. Da muss man die oben genannten Meinungen eigentlich schon nicht mehr kommentieren.
China hat die Eindämmung des Corona-Virus offenbar ziemlich gut in den Griff bekommen. Natürlich ist es nicht ganz einfach eine objektive Sicht auf die Tatsachen im Reich der Mitte zu erhalten, dennoch scheint die Wirtschaft wieder zu florieren und auch im normalen, täglichen Leben gibt es kaum noch Einschränkungen – so teilt es zumindest meine Freundin mit, die seit März in Shanghai arbeitet. Nun schließt sich also langsam der Kreis. Ich will natürlich nicht nur nach China, weil ich das Land interessant finde, sondern, um die bessere Hälfte endlich einmal wieder zu sehen. Die übrigens vom ganzen deutschen Corona-Stress und den damit einhergehenden post-traumatischen Störungen rein gar nichts mitbekommen hat. In Shanghai trägt man mittlerweile nämlich vielerorts nicht einmal mehr Masken – und zwar nicht, weil sich alle dagegen weigern und gewisse Corona-Verschwörungstheoretiker einen größeren Einfluss hätten als hier. Nein, einfach, weil es nicht mehr vorgeschrieben ist, da das Pandemie-Risiko deutlich reduziert ist. Also, keine Masken, super Sommer und ins Restaurant darf man auch? Klingt ja wie früher.
Nach langem Warten auf Lockerungen der Einreisebestimmungen – China hat seit Ausbruch der Corona-Pandemie im Rest der Welt kurzerhand im März die Grenzen faktisch geschlossen (mit einigen Ausnahmen natürlich) – sitze ich nun also, nach 7 Monaten hier in meinem Quarantäne-Sommer-Domizil Frankfurt und halte den Pass mit dem entsprechenden Visum in den Händen. Um diesen kleinen Aufkleber im Pass zu bekommen, mussten sowohl hier in Deutschland als auch in China sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt werden – das war wirklich kein Kinderspiel.
Nun steht es aber fest: ich reise am 16. November für 2 Monate nach Shanghai, um dort als Consultant tätig zu sein und meine bessere Hälfte besuchen zu können. Nun ja, 2 Monate sind realistisch gesehen nur 6 Wochen, wenn man die initiale Zwangs-Quarantäne in einem Hotel mit einberechnet. Dazu aber später mehr.
Wie bekomme ich aktuell ein Visum für China?
Es gibt seit Ende September einige Möglichkeiten, um wieder nach China reisen zu dürfen.
Ausländische Staatsangehörige mit einer gültigen chinesischen Aufenthaltsgenehmigung zur Erwerbstätigkeit, für persönliche Angelegenheiten oder zur Familienzusammenführung dürfen ohne Visum nach China einreisen. Inhaber abgelaufener Aufenthaltsgenehmigungen dieser Art können bei der zuständigen chinesischen Auslandsvertretung einen Antrag auf Wiedereinreise stellen.
Diplomaten-, Dienst-, Courtesy- und C-Visa-Inhaber dürfen weiterhin einreisen. Ihnen war die Einreise bereits seit Beginn des Sommers wieder gewährt. Ich habe aber von niemandem gehört, der darüber ins Land gereist wäre.
Zudem gibt es nun die Möglichkeit, ein Business-Visum zu beantragen, wenn ein elementarer Grund vorliegt und das chinesische Unternehmen einen PU (Invitation) Letter beantragt.
Wie bekomme ich einen PU Letter
Für die Beantragung des PU Letters muss sich das einladende Unternehmen an die Distrikt-Regierung bzw. Bezirksregierung (District Foreign Affairs Office, kurz FAO) wenden. In Shanghai sind dies die Stadtviertel, die dann wiederum weiter nach oben kommunizieren (https://bio.visaforchina.org/FRA2_EN/generalinformation/news/283168.shtml). Wenn sich das chinesische Unternehmen mit dem FAO in Verbindung setzt, müssen mehrere Dokumente vorgelegt werden, u.a. Reiseplan und detaillierte Aufgabenbeschreibung, Reisepasskopie, Invitation Letter des Unternehmens.
Nach einigem hin und her, wird dann vom Municipal Foreign Affairs Office entschieden, ob ein PU Letter ausgestellt wird.
Sobald ihr den PU Letter in den Händen haltet, kann der normale Visa-Prozess in Deutschland erfolgen.
Visum beantragen
Je nach Art des Visums, werden hier z.B. für ein Business Visum folgende Unterlagen benötigt (Stand Oktober 2020):
- Ausgefüllter Visumantrag auf visaforchina.org
- Farbiges, biometrisches Passfoto vor weißem Hintergrund (ohne Brille) im Format 3x4cm
- Reisepass (mind. 6 Monate gültig)
- PU-Einladung
- Offizielle Business-Einladung des chinesischen Unternehmens
- Flugticket (oder Bestätigung)
Das Ausfüllen des Visumantrags auf visaforchina.org (muss übrigens dort online ausgefüllt und dann ausgedruckt werden) ist schon einmal eine Kunst für sich. Es nimmt viel Zeit in Anspruch und muss logisch korrekt sein (Einreisedatum vs. Aufgaben etc.).
Wenn nun alles zusammengestellt ist, können die Unterlagen entweder direkt beim Chinese Visa Application Service Center oder über eine Agentur eingereicht werden. Ich habe mich hier für 1a-Visum (1avisum.de) entschieden und war sehr zufrieden mit dem Ablauf. Da die Agentur immer noch einmal über die Unterlagen schaut und im Prozess unterstützt sowie einen end-to-end-Abwicklung anbietet (ohne mehrfach von A nach B und C laufen zu müssen), habe ich mich für den Weg über eine Agentur entschieden. Das Chinese Visa Application Service Center leitet die Bewerbung dann an das Konsulat weiter, das über den Visumantrag entscheidet. Erst dann sind die größten Hürden geschafft – wobei mir zu Ohren gekommen ist, dass der Visum-Prozess selbst im Vergleich zum PU-Letter Prozess nur noch die kleinere Hürde im Endspurt sei.
Nun hieß es noch einige Tage warten, u.a., da Visumsanträge aktuell scheinbar nur in Berlin und nicht in Frankfurt bearbeitet werden und, weil natürlich die Golden Week (eine Feiertagswoche, die den Herbst in China einleitet) dazwischen lag.
Ich habe gehört, dass aktuell am ehesten Visa für 90 Tage ausgestellt werden. Das war für mich natürlich ideal. Im Normalfall werden bei Erstbesuchern zunächst Visa für 30 oder 60 Tage ausgestellt – hier ebenfalls nur mit einmaliger Einreise. Erst bei einem weiteren Visumsantrag werden dann Mehrfacheinreisen und Visa für 90 Tage möglich.
Da während des Prozesses viele Fragen auftreten werden, kann ich nur dazu raten, eine Agentur zu beauftragen und diese bei Fragen anzurufen. Ich habe mehrfach mit der Visumagentur sowie mit dem Chinese Visa Application Service Center telefoniert, um Fragen zu Einreisebestimmungen, Visumbestimmungen etc. zu klären.
Nach insgesamt 8 Wochen halte ich also meinen Reisepass in den Händen, der nun um einen Aufkleber reicher ist: ein Business (M)- Visum für einen 3-monatigen Aufenthalt in China bei einmaliger Einreise.

