Der vegane Reiseblog

Shanghai-Umrundung mit Rennrad – Failed

Die schiere Größe der Stadt Shanghai allein lädt schon ein darüber nachzudenken, ob eine Stadtumrundung entlang der der Stadtgrenze mit dem Fahrrad möglich ist.

In diesem Artikel erfährst du:

  • wo und wie du ein gutes Rennrad in Shanghai mieten kannst
  • wie die Radwegsituation außerhalb der Stadt ist
  • wie du mit dem Fahrrad nach Chongming Island kommst
  • welche Apps dir Routen, Wege und Wind weisen
  • wie man mit etwas Glück zwei Rennräder im Didi transportiert

Du erfährst nicht:

  • wie man mit dem Fahrrad um Shanghai herum fährt, denn die 600km haben leider weder mein Hintern noch das gute Wetter durchgehalten. Teil 2 folgt aber sicher bald.

Google brachte mich auf diesem wundervollen Blog von Justin Jencks (hier gehts zum Strava Profil). Er beschrieb einen schönen Circle um die Stadt herum in Verbindung mit einem vollen Tag auf der Insel Chongming. Die Geschwindigkeit und die täglichen Legs waren für mich zwar etwas utopisch – ich nahm mir für das Ganze eigentlich 4-5 Tage Zeit vor – aber die Strecke an sich war schon einmal vielversprechend.

Vor allem mit Blick darauf, dass es hier in China an Komoot-Begeisterten mangelt und man kaum englisch-sprachige Routen oder Tipps findet. Nach einem Premium-Update bei Strava muss ich aber feststellen, dass sich die englischsprache Lauf- und Rad-Meute scheinbar hier aufhält. Auf Strava gibt es zahlreiche Routen und Touren, die man befahren kann. Leider ohne wirkliche Kommentare oder Beschreibungen, sodass man nie wirklich weiß worauf man sich einlässt, außer darauf, dass die Strecke schon einmal vor jemandem gefahren wurde –  frei nach dem Motto: so schlimm kann es dann ja nicht sein…

Rennrad in Shanghai mieten

Scheinbar gibt es nach einiger Recherche in einschlägigen WeChat Gruppen einige wenige Möglichkeiten ein Rennrad in Shanghai auszuleihen. Den besten Service bekommt man im Giant Store (Changning Branch auf der Changning Lu, nahe der Metro-Station Zhongshan Park). Ich bin ca. eine Woche dort persönlich vorbei gefahren und habe mich erkundigt und ein Fahrrad reserviert. Ich habe mir den WeChat Kontakt für spätere Rückfragen geben lassen. Das Fahrrad kostet pro Tag 200 RMB. Einige Tage vor Abfahrt habe ich noch einmal per WeChat bestätigt, dass auch wirklich ein Fahrrad für mich bereit steht. Ich wurde nach meiner Größe gefragt, um die richtige Fahrradgröße zu reservieren. Am Tag der Abholung musste ich dann 3500 RMB Kaution hinterlegen. Diese würde dann mit dem Mietpreis verrechnet. Ich musste lediglich eine ungefähre Mietdauer angeben. Helm wurde bereitgestellt, die Pedale der Mieträder sind alle ohne Klick, sondern normale Metall-Pedale. Ich habe einen Extra-Schlauch und eine Luftpumpe „gekauft“, die ich bei Nichtnutzung dann zurückgeben konnte. Zudem habe ich ein kleines Werkzeug geliehen bekommen. Mangels guter Vorbereitung habe ich mich vor Ort noch mit einer Wasserflasche eingedeckt, die direkt gereinigt und aufgefüllt und ans Fahrrad montiert wurde. Ich war mit dem Service sehr zufrieden.

Bekommen habe ich ein Giant OCR 2020 Rad aus Aluminium mit Scheibenbremsen. Es fuhr sich wirklich gut, die Claris-Schaltung war natürlich nicht das Beste, aber ich habe es überlebt. Zudem hatte ich auf der gesamten Strecke keinen Platten.

Kurzerhand entschloss sich am Tag vor der Abreise ein Freund dazu mich zu begleiten. Ich konnte spontan und problemlos ein weiteres Fahrrad per WeChat dazu buchen.

Erste Etappe

https://www.strava.com/activities/5222585134

Wir machten uns also am langen 1.Mai-Wochenende gegen 11 Uhr vormittags (Giant Store öffnet leider erst um 10Uhr) auf Richtung Westen. Die Strecke war zunächst recht eintönig. Die Fahrzeuge (Fahrräder und Roller) auf den Radwegen wurden immer weniger. Wir fuhren hauptsächlich durch Gebiete mit viel Industrie, zum Ende des Legs nach Westen aber auch etwas grün. Wir machten eine kurze Ananas-Pause.

 

Am westlichsten Punkt der Strecke in Antingzhen angekommen, versuchen wir der Strava-Route zu folgen. Die vorgeschlagene Strava-Route zur Navigation zu nutzen ist nicht soo einfach mit der Strava-App. Zudem zieht die App recht viel Akku. Hier muss ich noch etwas optimieren. Zusätzlich scheint die Kartenbasis etwas von den GPS Koordinaten abzuweichen, da die eingezeichnete Route immer einen Zentimeter von der tatsächlichen Route auf der Karte verschoben ist. Wenn man einen Blick auf den Streckenverlauf und die möglichen Straßen auf der Karte wirft, kann man dies aber recht schnell regeln. Wir sind also eine Weile lang der Route gefolgt, stellten dann irgendwann fest, dass Zeit und Energie aber nicht mehr ausreichten, um die gesamte Außenrunde zum Fähranleger zu fahren und kürzten etwas ab.

Gute Entscheidung, denn: der unser erstes Ziel – der Fähranleger BaoYang MaTou (Baoshan) – wollte uns bzw. unsere Fahrräder leider nicht mitnehmen. Daher mussten wir kurz vor Abfahrt der letzten Fähre noch spontan 15 km zum nächsten Fähranleger fahren – Shidong Koulun, nördlich vom BaoYang Fähranleger. Die Strecke war aufgrund der sehr schlechten Radwege äußerst ungemütlich und anstrengend. Die Radwege hatten viele Löcher und waren sehr ungleichmäßig.

Die Radwege auf der Strecke insgesamt waren außergewöhnlich gut. Wir sind immer getrennt vom restlichen motorisierten Verkehr gefahren, entweder auf einem separaten Radweg mit Grünstreifen zwischen uns und Verkehr oder abgetrennt mit einer Balustrade auf der Fahrbahn. Hier konnten wir wirklich sehr gut fahren und je weiter wir uns vom Stadtzentrum entfernten, desto mehr Tempo konnten wir anlegen, da die Radwege leerer wurden.

Fähre Shanghai – Chongming

An der Fähre angekommen, verlief alles ganz reibungslos. Wir fuhren an der ca. 1km langen, mehrspurigen Autoschlange entlang, setzten unsere Masken auf (Fähre = public transport), kauften unsere Tickets am Drive-Through-Schalter und fuhren auf den Steg zur Fähre. Preis: 21 RMB pro Person. Letzte Fähre angeblich um 18 Uhr (alle 30 Minuten ab 6:30Uhr), der Autoschlange nach zu urteilen fuhren wohl aber noch weitere, eventuell.

Die Einfahrt erfolgte zusammen mit den Autos. Die Fahrräder wurden an der Seite an die Schiffswand gelehnt und angebunden. Danach gingen wir in die Kabine, wo wir die 45 minütige Fahrt verbrachten. Auf der anderen Seite angekommen, stellten wir 3 Dinge fest: 1. es ist dunkel, 2. Wir sind nicht in Chongming, sondern in Xinhezhen (auch auf Chongming, aber an einem anderen Anleger, 15 km süd-östlich von Chongming), 3. das gebuchte Hotel ist nicht, wie gedacht, in Chongming City, sondern 25km nord-östlich davon.

Didi mit 2 Rennrädern

Da unsere Beine sich für den heutigen Tag bereits verabschiedet hatten und wir uns keine Fahrt bei völliger Dunkelheit zutrauen wollten (was sich als klug herausstellte, denn die Straßen auf der Insel waren nicht beleuchtet), buchten wir kurzerhand ein Didi, in der Hoffnung, dass das Fahrzeug groß genug sein würde. Das Buchen eines 7-Sitzers war nicht möglich, also mussten wir hoffen. Und es funktionierte. Durch einen unglaublichen Zufall erschien ein großer 7-Sitzer vor uns, der Fahrer half sogar freundlich die Fahrräder vorsichtig ins Auto zu laden, nachdem wir die Vorderreifen abmontiert hatten. Hätten wir nicht ein solches Glück gehabt; ein anderes „normales“ Auto hätte uns nicht weiterhelfen können. Das Didi kutschierte uns also schleunigst zu unserem Hotel (45 Minuten Autofahrt) – wir waren froh, dieses Abenteuer nicht mit dem Fahrrad unternommen zu haben. Das Hotel war simpel, günstig und für solche Trips definitiv zu empfehlen (Link hier).

 

Zweite Etappe

Der zweite Tag begann mit einem ganz netten Ausblick vom Hotelbalkon.

Da meinen Kollegen schon leichte Knieschmerzen plagten, entschieden wir uns den heutigen Tag etwas ruhiger angehen zu lassen: https://www.strava.com/activities/5229866705. Knapp 70km sollten genügen.

Das Fahren auf der Insel ist unglaublich entspannt. Bleibt man von den großen Hauptstraßen fern und nutzt die kleineren Wege, fährt man meist entlang grüner Felder und kleiner Wälder oder auf einem kleinen Deich am Wasser entlang. Bleibt man auf den größeren Straßen, ist das aber auch kein Problem. Wie immer sind die Radwege großzügig und abgetrennt vom restlichen Verkehr. Der Wind kam recht stark aus Nordost an diesem Tag, sodass wir die Strecke Richtung Westen begannen.

Chongming ist nun kein virtuelles Highlight – es gibt keine hohen Berge oder unberührte Natur -, aber es ist eine nette Ecke abseits von Shanghai, um etwas Ruhe zu tanken und entspannt ohne Verkehr eine Runde Fahrrad zu fahren.

Wir versuchten den Xisha Mingzu Lake Park zu erkunden, wurden aber an den Toren abgewiesen. Mit eigenen Fahrräder darf man den Park nicht befahren. Lunch gab es dann in einem kleinen Örtchen namens Sanxingzhen, in dem wir mit unseren Rennrädern eine kleine Attraktion zu sein schienen. Kurz nach dem Lunch fanden wir einen kleinen Park mit Bänken, die nur danach riefen, hier ein kleines Mittagsschläfchen zu halten.

Die weitere Fahrt nach Chongming City war recht entspannt, der Wind hatte zudem nachgelassen. Die Ankunft gestaltete sich auch ereignislos. Chongming city ist nicht wirklich aufregend. Es gibt eine „Shopping“-Straße mit vielen lokalen Markenläden und Restaurants, ansonsten nichts Sehenswertes. Unser Hotel war okay gelegen und das Zimmer war groß genug, um die Fahrräder dort zu parken.

 

Dritte Etappe

https://www.strava.com/activities/5234707071

Chongming city – Xinhezhen, entspannte 15 km nach einen recht akzeptablen chinesischen Buffet-Frühstück. Auch am Fähranleger lief alles reibungslos und wir setzten unsere Fahrt gegen 11 Uhr in Shanghai fort.

Zunächst einmal mit starkem Gegenwind (40 km/h aus Ostsüdost, später südsüdost) und wir mussten natürlich Richtung Osten. Nach einer langen, anstrengenden Fahrt durch viel Industrie, Lärm und Staub entschieden wir uns, noch eine Weile mit der Huangpu-River Überquerung zu warten. Wir würden an diesem Tag nicht die vorgeschlagene Route des oben verlinkten Blogs verfolgen. Dafür war es schon längst zu spät und der starke Gegenwind machte uns einen Strich durch diese Rechnung. Meine Überlegung am Folgetag wieder Richtung Küste zu fahren und dann die Küstenstrecke fortzusetzen, wurde durch den Wetterbericht ausgehebelt. Dieser sagte starken Dauerregen für den Folgetag voraus. Und diese Vorhersage änderte sich schon seit einigen Tagen nicht. Daher beschlossen wir, unsere Runde komplett zu machen, indem wir zwar den Fluss überqueren, aber am Fluss auf dem bekannten Fahrradweg entlang fahren, irgendwo im Süden wieder mit der Fähre übersetzen und dann zurück zum Giant Store zu fahren, um die Fahrräder abzugeben und die Tour zu beenden. Weitere Hotels waren bisher noch nicht gebucht, da ich den Wetterwechsel für den nächsten Tag abwarten wollte. Daraus wurde leider nichts.

Je näher wir der Innenstadt kamen, desto schwächer wurde der Wind, desto größer aber auch die Menschenmassen.

Kurz vor dem financial District wurde der Fahrradweg dann polizeilich gesperrt und die Fahrräder gebeten einen anderen Weg zu nehmen. Wir suchten uns also einen Weg durch den Financial District und begaben uns 30 Minuten später wieder auf den Fluss-Radweg. Dieser war aufgrund des Maiwochenendes leider voll mit Leuten. Die Strecke war dennoch schön.

Wir überquerten den Fluss wieder an der Fähre AanLin Lu DuKou und machten uns auf den Rückweg zum Giant Store über die Longfen Avenue, die am Ende noch einmal ausreichend Freiheit für einen Sprint erlaubte.

 

Als Wind-App empfehle ich übrigens die Epic-Ride Weather App. Ist relativ simpel, gibt aber sehr gute Winddaten für die Tourplanung. Ebenfalls für China relevant: Air Matters.