Der vegane Reiseblog

Tag 14 Quarantäne in Nanjing – „Ich werde auf die Zivilisation losgelassen“

Tag 14 und immer noch eine Nacht? Naja. Der erste Tag begann ja am Montagnachmittag und war quasi Dienstagnachmittag beendet. Demnach beginnt Tag 14 am Sonntagnachmittag und endet am Montagnachmittag. Heute Morgen steht der vorerst letzte COVID-Test an. In der WeChat-Gruppe wird kommuniziert, dass Mitarbeiter des CDC gegen 9 Uhr aufs Zimmer kommen und den Test durchführen. Die Hotelmitarbeiter bzw. das Health Management schreibt ab heute vor alle Nachrichten, die wichtig sind und an alle gerichtet sind: „for everyone“ auf Chinesisch davor, damit es auch tatsächlich von allen gelesen wird. Um kurz nach 9 Uhr klopft es an der Tür und eine sehr freundliche CDC-Mitarbeiterin in Hazmat-Suite steht vor mir und erklärt mir, langsam und ausführlich (in gutem Englisch) was jetzt passieren wird. Den Test führt sie mit viel Einfühlungsvermögen durch. Das Ganze ist ja doch sehr unangenehm – vor allem der Test in der Nase – und sie ist so vorsichtig wie möglich.

Den Rest des Tages verbringe ich wie auch am Vortag damit diesen Blog zu designen. Das Ganze macht tatsächlich Spaß und sieht eigentlich auch ganz sinnvoll aus.

Das Sachen packen schiebe ich auf Montagmorgen. Sollte wohl reichen.

Tag der Abreise & Auf nach Shanghai

Trotz etwas Aufregung vor der bevorstehenden Freiheit, schlafe ich in der letzten Nacht eigentlich recht gut. Am Morgen gibt es wie immer meine morgendliche Yoga-Routine. Daraufhin das Frühstück. Ich packe meine Sachen zusammen und stelle fest: es ist tatsächlich weniger. Das mitgebrachte Essen nahm doch einiges an Platz weg – viel ist nicht übrig geblieben, unten vorher/nachher.

 

Einem langen WeChat-Verlauf folgend, bei dem darüber diskutiert wird, wann denn nun der genaue Zeitpunkt des Quarantäne-Endes sein wird, setze ich mich wieder an die Website.

Nach einem weiteren mehr oder weniger akzeptablen Mittagessen, kommt gegen 13 Uhr die befreiende Nachricht. Wir werden gebeten, unsere Koffer vor die Zimmertür zu stellen und an der Tür auf die Hotelmitarbeiter zu warten, die uns abholen würden. Stockwerk für Stockwerk (von oben nach unten) wird das Hotel geleert, wir natürlich zuletzt, da wir unten sind. Durch die offene Tür meines Nachbars gegenüber ist der Hotelhof zu erkennen, in dem sich viele Mit-Quarantänianer sammeln. Als unsere Tür geöffnet wird, geht alles ganz schnell. Raus aus dem Zimmer, aus dem Gebäude, die ersten Schritte in Schuhen auf Asphalt. Plötzlich kommt von rechts eine Fontaine aus Desinfektionsmittel und dieselt mich ein. Weiter geht’s in Richtung Eingangsbereich des Hotels, den ich jetzt zum ersten Mal sehe – das Hotelpersonal natürlich noch immer in Hazmat-Suits.

 

Ich werde aus der Reihe an einen separaten Tisch gerufen und muss einige Zettel unterschreiben – natürlich alles chinesisch, die Frage, was ich da unterschreibe, ist hier äußerst unangebracht und würde auch unbeantwortet bleiben. Ich bekomme einige Zettel sowie meinen Pass in die Hand gedrückt und werde mit einer freundlichen Handbewegung angewiesen, schnell zu gehen. Ich gehe also etwas auf dem Weg, schaue auf meine Zettel, versuche zu verarbeiten, was gerade passierte und bekomme sogleich Hilfe von meinem Zimmernachbarn, der freundlicherweise kurz erklärt wofür diese Zettel gut seien. Das Wichtigste: einer davon ist die Bestätigung, dass ich die Quarantäne erfolgreich absolviert habe und kein COVID habe, bzw. der letzte Test negativ war. Diese Unterlagen sollte ich die nächsten Tage bei mir tragen. Noch im Hotelzimmer hatte ich meiner Freundin das Zeichen gegeben, dass es nun bald losgehen sollte und sich die unbekannten Abholer auf den Weg machen könnten. Ich konnte ja weder ahnen, dass es draußen sooo verdammt kalt sein würde, noch, dass der Exit-Prozess nur wenige Minuten dauern würde. Ebenso wenig konnte ich ahnen, dass ich 2 Stunden auf die Abholer warten würde, da diese zum falschen Vienna International Hotel gefahren waren.

Ich nutzte die Zeit, um das Hotel von außen zu inspizieren und den Blick, den ich 14 Tage von innen heraus hatte, nun von außen festzuhalten.

 

 

Das Warten hat sich gelohnt. Obwohl der Bahnhof nur 20 Minuten mit dem Taxi entfernt war, war ich bei der Ankunft froh, auf die Abholer gewartet zu haben. Zunächst schien der Bahnhof eine eigene Autobahnabfahrt zu haben, die sich in 4 separate Drop-off-Spuren für Departures trennte. Alles wirkte wie ein riesiger internationaler Flughafen – dazu die Menschenmenge, mitten am Tag. Wie mag es hier wohl zur Rush-Hour aussehen? Der Fahrer teilte mir mit, dass Nanjing South wohl der größte Bahnhof Asiens sei – ein kurze Google-Recherche bestätigt das gerade – wow. Im oberen Departure Terminal helfen uns die digitalen Ticketmaschinen nicht weiter, da ich ein Foreigner-Ticket benötige. Die Suche endet im unteren Arrival-Terminal, wo wir tatsächlich einige Schalter endecken, hinter denen Menschen sitzen, die uns weiterhelfen. Mein Pass wird gescannt und ich bekomme ein Ticket mit einem QR Code. Wieder am Departure Terminal angekommen, geht es weiter. Nun heißt es sich in den schnellen Fluss der Nanjinger einzugliedern, um niemanden aufzuhalten. Der Security-Bereich wirkt größer und genauer als an jedem Flughafen. Taschen werden gescannt, überall Kameras, Tickets und Pässe werden kontrolliert. Von hier bis zum Gleis folgen einige weitere Kontrollen. Der Vorteil, niemand kann im falschen Zug landen bei so vielen Kontrollen – und es spart sicher auch Zugpersonal, da die Fahrkarten nach so vielen Kontrollen sicher nicht mehr geprüft werden müssen.

 

 

Am Gleis angekommen, wirkt alles sehr leer. Warum nur? Weil der Zutritt zum Gleis erst einige Minuten vor Abfahrt des Zuges gewährt wird. Vorher hat man sich im Terminal im Wartebereich aufzuhalten.

Die Zugfahrt nach Shanghai dauert 1:24, für 330 km. Es sind einige Pendler unterwegs, der Zug ist voll. Mein Sitzplatz ist zugewiesen und natürlich frei. Im Zug gibt es tatsächlich Zugpersonal. Dieses ist aber nur für die Reinigung da und, um den unwissenden Foreignern Zeugs in Ryanair-Manier zu verkaufen. Ein mehr oder weniger interessierter Blick auf den Früchte-Wagen, den die Bahnmitarbeiterin vor sich herschiebt und schon bleibt sie stehen und versucht äußerst bestimmt mir etwas anzudrehen. Da ich noch nicht weiß, wie ich mit Alipay bezahle und natürlich auch kein Bargeld habe, verneine ich mehrfach und wende mich sogar ab, bis sie irgendwann weiterzieht.

In Shanghai angekommen wurden Ticket und Reisepass erneut gescannt. Das wars, kein QR Code, der vorgezeigt werden musste, nichts. Auf dem Weg zur Metro sah ich noch einen Checkpoint, der von Polizisten besetzt war, aber nicht aktiv zu sein schien. Darum verteilten sich einzelne Menschen und schauten auf die Banner, auf denen riesige QR Codes abgedruckt waren, die sie scannten, um sich einen Shanghai-QR-Code zu generieren.

Ich gehe weiter zur Metro und werde nach 8 Monaten von meiner Freundin empfangen – nicht mehr am Telefon, in echt.